Dun & Bradstreet

Gegenläufige Dynamik: Firmenkonkurse und Neugründungen in der Schweiz erreichen historischen Höchststand im ersten Quartal 2026

Die Unternehmenslandschaft in der Schweiz ist von einer aussergewöhnlich hohen Dynamik geprägt: Im ersten Quartal 2026 haben sich die Firmenkonkurse gegenüber dem Vorjahresquartal mehr als verdoppelt. Insgesamt meldeten 3’074 Unternehmen Insolvenz an – ein Anstieg um +106 Prozent gegenüber Q1/2025. Gleichzeitig erreicht die Gründungsaktivität ein historisches Niveau. Dies zeigt eine aktuelle Analyse von Dun & Bradstreet.

Diese gegenläufige Entwicklung deutet auf eine ausgeprägte Marktbereinigung hin, die sowohl konjunkturelle als auch regulatorische Ursachen hat. Seit dem 1. Januar 2025 ist das Bundesgesetz über die Bekämpfung des missbräuchlichen Konkurses in Kraft. Kern der Reform ist die Aufhebung des Behördenprivilegs im Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG): Öffentlich‑rechtliche Forderungen müssen bei im Handelsregister eingetragenen Schuldnern über Konkurs betrieben werden. Für das Gesamtjahr ist davon auszugehen, dass die Insolvenzzahlen weiter steigen.

Insolvenzen legen in allen Regionen deutlich zu – besonders stark in Thurgau und Basel-Landschaft

Regional zeigt sich ein einheitliches Bild: Alle Regionen verzeichnen deutliche Zuwächse bei den Insolvenzen, keine konnte ihre Werte stabil halten oder reduzieren. Vergleichsweise moderat fällt der Anstieg in der Zentralschweiz (+77 Prozent) und der Nordwestschweiz (+90 Prozent) aus, wenngleich auch hier nahezu eine Verdoppelung zu beobachten ist. Die stärksten relativen Zuwächse bei den Insolvenzen verzeichnen die Kantone Thurgau (+238 Prozent), Basel-Landschaft (+228 Prozent) und Bern (+196 Prozent). In absoluten Zahlen bleibt Zürich mit 527 Fällen (+100 Prozent) der am stärksten betroffene Kanton.

Branchen: Hohe Gründungsdynamik bei gleichzeitig steigenden Risiken

Auch auf Branchenebene zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Gründungsaktivität ist in vielen Bereichen weiterhin robust, insbesondere im Versorgungswesen (+41 Prozent) sowie bei der Herstellung von nicht haltbaren (+33 Prozent) und haltbaren Gütern (+24 Prozent). Rückläufig ist die Entwicklung hingegen im Grosshandel (−45 Prozent) sowie in der Holz- und Möbelindustrie (−11 Prozent). Parallel dazu steigen die Insolvenzzahlen in nahezu allen Branchen deutlich an. Besonders stark betroffen sind Ausbildungsdienste (+317 Prozent) und das Baugewerbe (+242 Prozent). In absoluten Zahlen verzeichnet das Handwerk mit 473 Insolvenzen die meisten Fälle (+61 Prozent).

Regulatorische Effekte verstärken Marktbereinigung

«Die Schweiz erlebt 2026 eine paradoxe Dynamik: sehr hohe Gründungszahlen bei gleichzeitig stark steigenden Konkursen. Das deutet auf eine intensive strukturelle Erneuerung der Unternehmenslandschaft hin und weniger auf eine klassische Konjunkturkrise», sagt Marianne Bregenzer, Country Lead Schweiz bei Dun & Bradstreet. Seit dem 1. Januar 2025 ist das Bundesgesetz über die Bekämpfung des missbräuchlichen Konkurses in Kraft und scheint als zentraler Treiber dieser Entwicklung zu wirken. «Das neue Gesetz fungiert als Katalysator: Es erhöht kurzfristig die Zahl der Konkurse deutlich, stärkt aber langfristig Disziplin, Transparenz und den Gläubigerschutz im Markt», so Bregenzer.

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