Dun & Bradstreet

Störungsfreie Lieferketten: Effektive Präventionsstrategien

Agieren statt Reagieren 

Proaktive Strategien zur Vermeidung von Lieferkettenstörungen

In einer Welt, in der globale Lieferketten zunehmend komplex und anfällig für Störungen geworden sind, kann ein einziges unerwartetes Ereignis die gesamte Produktions- und Lieferkette eines Unternehmens durcheinanderbringen. Von Naturkatastrophen und geopolitischen Spannungen bis hin zu pandemiebedingten Herausforderungen – die Risiken für Lieferkettenstörungen sind vielfältig und oft unvorhersehbar. Doch anstatt reaktiv auf diese Störungen zu reagieren, können Unternehmen durch proaktive Strategien ihre Widerstandsfähigkeit stärken und potenzielle Risiken minimieren. Sobald die grundlegenden Elemente eines risiko- und datenbasierten Ansatzes vorliegen, ist es wichtig, dass CPOs konkrete und proaktive Maßnahmen ergreifen, um das Risiko im gesamten Versorgungsnetz zu mindern. Diese fünf Leitlinien dienen als Rahmen und helfen Teams im Einkauf, vorausschauend zu planen und Herausforderungen der Lieferkette erfolgreich zu meistern.

Es geht heute im Einkauf nicht mehr nur um Preis und Menge. Der Einkauf muss sich mit anderen Informationen auseinandersetzen. Wer sind meine Lieferanten von Tier-1 bis Tier-n? Welche Handelswege nutzen sie? Wie nachhaltig agieren sie? Wie ist ihr Carbon Fußabdruck? All diese Faktoren steigern die Komplexität im Lieferantenmanagement enorm.

Michael Seifert | Lead Experte Automotive
  1. Erweitern Sie den Blick auf die Lieferantenlandschaft

    Der Beschaffungsmarkt unterliegt einem ständigen Wandel, der von externen und internen Ereignissen abhängt, sei es, dass ein Unternehmen den Kampf um Marktanteile gegen seine Konkurrenten verliert oder dass der Ausbruch eines Konflikts den Versand aus einem Land oder einer Region plötzlich unmöglich macht. Da sich die Umstände häufig ändern, ist es wichtig, dass die Lieferantendaten laufend überwacht und aktualisiert werden, um Veränderungen in allen Bereichen zu berücksichtigen, die Ihre Lieferkette stören könnten. Die Annäherung an die Echtzeit-überwachung von Lieferkettendaten hilft dem Unternehmen auch dabei, ein umfassenderes Verständnis für aktuelle Ereignisse und deren Auswirkungen auf Liefernetzwerke und -abläufe zu entwickeln. Es ist sogar möglich, Muster zu erkennen, die das Auftreten von Schwachstellen oder Störungen signalisieren können, bevor sie eine ernsthafte Bedrohung darstellen.  

  2. Aktualisieren und optimieren Sie Ihre Kriterien für die Lieferantenauswahl

    Erfahrene Procurement Teams wählen ihre Lieferanten nicht mehr ausschließlich auf Basis der Kosten aus, da diese wenig über das Reputationsrisiko oder die Schockresistenz eines Lieferanten aussagen. Die Palette der Kriterien, die in der Regel auf Lieferanten angewandt werden, hat sich erweitert und umfasst nun auch Faktoren wie bisherige Leistung, geografischer Standort, finanzielle Stabilität, Unternehmensleitung und Reputation in der Branche, wodurch ein ganzheitlicheres Bild der Risiken entsteht, die sie darstellen. Der Zugang zu umfassenden und aktuellen Lieferantendaten– und die kontinuierliche Anreicherung dieser Daten mit zusätzlichen Wertmaßstäben – macht eine solche Bewertung möglich. Selbst wenn eine Liste von Qualitätslieferanten erstellt wurde, ist es sinnvoll, Beziehungen zu alternativen Lieferanten aufzubauen und zu pflegen, die schnell eingesetzt werden können, falls Ihre bevorzugten Lieferanten plötzlich nicht mehr in der Lage sind, Ihre Anforderungen zu erfüllen.

  3.  Sorgen Sie für eine proaktive Minderung des Lieferantenrisikos

    Teams im Einkauf können eine wichtige Rolle bei der Zukunftssicherung des Unternehmens spielen, indem sie verlässliche Informationen über Lieferanten bereitstellen, um eine proaktive Planung zu unterstützen. 

    Datengesteuerte Technologien können Trends im Versorgungsnetz aufzeigen, sich ändernde Risikoniveaus nahezu in Echtzeit verfolgen und Risikobereiche identifizieren, die eine genauere Untersuchung erfordern. Durch Weitergabe dieser Erkenntnisse an das gesamte Team kann das Procurement Team die Führungskräfte dabei unterstützen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bevor Störungen auftreten, und Einblicke in den künftigen Zustand der Lieferkette geben. Dies unterstreicht die Fähigkeit der Beschaffung, eine strategischere Rolle im Unternehmen zu spielen.

  4. Erhöhen Sie die Skalierbarkeit der Beschaffung durch ESG

    CPOs sind sich zunehmend der Bedeutung von ESG-Daten über Lieferanten bewusst, da diese einen umfassenderen Überblick über die Fähigkeit der Partner bieten, zu wachsen und den sich verändernden Anforderungen an Compliance und Nachhaltigkeit gerecht zu werden. In einer CPO-Umfrage von Deloitte rangiert ESG auf der Liste der wichtigsten Prioritäten der Beschaffungsteams sogar an zweiter Stelle nach der betrieblichen Effizienz. Einige Teams im Einkauf gehen über die Überprüfung der grundlegenden ESG-Konformität hinaus und nutzen ESG Daten auf vielfältige Weise, um eine nachhaltige Skalierung der Lieferketten zu gewährleisten, z. B. durch die Identifizierung von Wachstumschancen und die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Lieferanten, um Innovationen voranzutreiben oder deren Umwelteffizienz zu fördern. Robuste ESG-Daten helfen Beschaffungsteams nicht nur, „mit weniger mehr zu erreichen“, sondern auch die gesamte Wertschöpfungskette positiv zu beeinflussen. 

  5. Bauen Sie eine stärkere Verhandlungsposition durch ein besseres Datenmanagement auf 

    Trotz der Fokussierung auf ESG-Ziele wird die Beschaffungsleistung immer noch durch ihre Fähigkeit definiert, Kosteneinsparungen zu erzielen. Best Practices im Beschaffungsdatenmanagement, wie z. B. das Clustern von Lieferantenstammdaten, helfen dem Unternehmen, Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung auf Unternehmensebene zu erkennen und zu nutzen, indem sie mögliche Bereiche für eine Konsolidierung oder Überschneidungen aufzeigen, die beseitigt werden könnten. Bessere Einblicke in Unternehmens-hierarchien, Verflechtungen und Eigentumsverhältnisse, die mit einer besseren Risikoaufklärung einhergehen, können zudem die Verhandlungsposition der Beschaffung gegenüber aktuellen und potenziellen Lieferanten stärken.