Der Grundsatz „Nur was man misst, kann man verbessern“, ist in Bezug auf ESG-Compliance (Environmental, Social and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) Segen und Fluch zugleich. Segen, weil durch die Messung Transparenz entsteht und Transparenz wiederum Rechenschaft fördert. Fluch, weil Nachhaltigkeit, wenn sie nicht richtig gemessen wird, anfällig ist für Manipulation und Greenwashing durch Akteure, die mehr daran interessiert sind, das System zu hintergehen, als ihre Pflichten zu erfüllen. Heutzutage müssen Unternehmen immer stärker Rechenschaft ablegen – nicht nur für ihre eigenen Handlungen und Unterlassungen, sondern auch für die ihrer Lieferanten und Geschäftspartner. Wer sich mit Greenwashing in Verbindung bringt, riskiert schnell seinen guten Ruf.
Auf dem Power of Data Event von Dun & Bradstreet erklärte die Nachhaltigkeitsexpertin und Autorin Aurore Belfrage, dass der Kampf gegen das Greenwashing an vielen Fronten ausgefochten wird. „Wenn wir die Grenzen unseres Planeten verstehen und akzeptieren, was menschengemacht ist, können wir beginnen, Technologie und Daten so zu nutzen, um intelligente Entscheidungen zu treffen.“ Aurore Belfrage erläuterte anhand einiger Beispiele, wie künstliche Intelligenz neue Anwendungsfälle im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit ermöglicht: von Wettervorhersagemodellen auf Makroebene bis hin zu Echtzeit-Recyclingsortierung auf Mikroebene. Sie warnte davor, das Aufeinandertreffen von grünem Wandel und digitalem Wandel hochzujubeln. „Natürlich wird der grüne Wandel auch Chancen mit sich bringen – wir sehen ihn allerdings nicht als Business Opportunity. Die Umstellungskosten werden uns finanziell herausfordern. Die Kosten fürs Nichtstun werden jedoch erheblich höher sein.“
Die mit der Umstellung einhergehenden Kosten sind in vielen Unternehmen ein Streitpunkt. Wenn Geschäftsziele anhand von Wachstum und Gewinn definiert werden, stehen sie nicht immer mit den ESG-Verpflichtungen im Einklang. In manchen Fällen bedeutet das, dass Unternehmen sich stark auf die Verringerung der vorgelagerten Kosten konzentrieren und dabei ihre Augen vor den Geschäftspraktiken ihrer Lieferanten und Geschäftspartner verschließen. Immer häufiger geraten Unternehmen jedoch durch Regulierungsbehörden und die öffentliche Meinung unter Druck, wenn sie sich zwar selbst umweltbewusst verhalten, dies aber bei ihren Lieferkettenpartnern nicht einfordern. Verlässt man sich hierbei auf die Selbstauskunft seiner Geschäftspartner, begibt man sich auf dünnes Eis. Die Selbstauskunft ist eine der wichtigsten Grauzonen, die Greenwashing ermöglichen.
„Wir müssen Dinge messen, die tatsächlich eine Auswirkung haben – und dabei sicherstellen, dass wir das richtig tun“, führt Aurore Belfrage aus. „Der Schlüssel liegt in der klaren Definition objektiver Parameter, die dann standardisiert werden, um die Performance vergleichbar zu machen. Was sollen wir überhaupt messen? Die offensichtliche Antwort ist CO2 – denn das ist das Problem.“ Als Nächstes ging die Belfrage darauf ein, warum Unternehmen bereits jetzt damit beginnen sollten, ihre CO2-Bilanz zu berechnen und datengesteuerte Entscheidungen zu treffen, um die Gesetze zur CO2-Abgabe vorwegzunehmen. „Wenn Unternehmen ihre tatsächlichen Kosten, Margen und Gewinne besser verstehen, treffen sie auf der Grundlage dieser Daten fundiertere Entscheidungen. Ist unsere nächste M&A-Entscheidung sinnvoll? Ist unsere nächste Produktreihe sinnvoll? Das ist ein Punkt, an dem sie beginnen können, ihr Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Doch genauso wichtig ist ein Verfahren, mit der sie ihre Geschäftspartner bewerten und sicherstellen, nicht unwissentlich zum Greenwashing beizutragen.“
Die Selbstauskunft ist eine der wichtigsten Grauzonen, die Greenwashing ermöglichen.
Theodora Papadimitropoulou, Expertin für Third Party Risk & Compliance bei Dun & Bradstreet, hat drei praktische Tipps, wie Unternehmen ihre Entscheidungen auf ein solideres Datenfundament stellen.
Verbinden Sie die Punkte (und gewinnen Sie einen Überblick)
Unternehmen dürfen das Risikomanagement nicht isoliert betrachten und sollten ESG ganzheitlich behandeln. Ein Unternehmen darf sich nicht nachhaltig nennen, wenn es in seiner Lieferkette Zwangsarbeit gibt oder wenn dort Materialien verwendet werden, die aus Konfliktzonen stammen oder zur Abholzung der Wälder beitragen. Ein Unternehmen muss verstehen, wer die wirtschaftlich Begünstigten hinter komplexen Konzernstrukturen sind, um nicht unwissentlich gegen Sanktionen zu verstoßen oder sich dem Risiko von Ruf- oder Finanzschäden auszusetzen.
Um zu verstehen, wie alle ESG-Elemente miteinander verknüpft sind, brauchen Unternehmen einen Überblick über das Gesamtgefüge. Dazu ist eine solide Stammdatenbasis notwendig, die immer auf dem neuesten Stand ist. Diese Daten müssen dem gesamten Unternehmen zur Verfügung stehen. So schaffen sie mehr Sichtbarkeit und Transparenz und ebnen den Weg zu besseren Entscheidungen.
Sehen Sie sich die ganze Lieferkette an (damit Sie die Partner Ihrer Partner kennen)
Theodora Papadimitropoulou kam darauf zurück, dass Unternehmen für die Handlungen und Unterlassungen ihrer Geschäftspartner zur Rechenschaft gezogen werden. Sie wies darauf hin, hier unbedingt über die erste Ebene der Lieferkette hinauszuschauen, um zu verstehen, wie die Situation bei den Lieferanten der Lieferanten aussieht. Es sei wichtig, die Verflechtungen zwischen juristischen Personen zu durchschauen. So sehe man, mit wem man es zu tun habe und wie die Eigentumsstrukturen aussehen. Das sei wichtig, da diese Verflechtungen Risiken bergen können.
Reden Sie nicht, handeln Sie (und verlangen Sie das auch von Ihren Geschäftspartnern)
Wenn Sie Selbstauskünften nicht trauen und sie durch messbare und standardisierbare Parameter ersetzen, können Sie die ESG-Performance Ihrer Geschäftspartner und Lieferanten besser bewerten. Aber mehr noch: Unternehmen können so beweisen, das Richtige zu tun. Sie zeigen Kunden, Investoren und der Öffentlichkeit, dass sie sich um den Planeten sorgt und seine Verantwortung ernst nimmt.
Wir bei Dun & Bradstreet sind stolz darauf, unseren Kunden bei ihrem ökologischen Engagement zu helfen, indem wir ihnen die Tools an die Hand geben, mit denen sie die Auswirkungen messen können, die sie und ihre Geschäftspartner auf die Umwelt haben – und entsprechend handeln können.
Chartis Research und Dun & Bradstreet befragten führende europäische Lieferkettenfachkräfte. Dieser Bericht gibt Aufschluss über die neuesten Trends im ESG-Risikomanagement und präsentiert neben Best Practices ausgewählte Fallbeispiele. Laden Sie den Report herunter und erfahren Sie, wie Sie in dem in stetem Wandel befindlichen Compliancegefüge Oberwasser behalten.