Der Fertigungssektor steht an einem Wendepunkt. Das Versprechen digitaler Transformation, KI-gestützter Effizienz und hochresilienter Lieferketten trifft auf einen grundlegenden Mangel an Vertrauen in die eigenen Daten.
Die aktuelle Risiko- und Resilienzbericht für die Fertigungsindustrie 2025 zeigt eine alarmierende Vertrauenslücke
Nur 36 % der befragten Hersteller sind der Meinung, dass sie mit ihren vorhandenen Daten fundierte Geschäftsentscheidungen treffen können.
Dieses weit verbreitete Misstrauen ist längst kein IT-Problem mehr. In der heutigen Zeit stellt es eine kritische Schwachstelle dar, die die operative Agilität untergräbt, Innovation ausbremst und das Wachstum der gesamten Branche hemmt.
Wenn Daten unzuverlässig sind, verlassen sich Führungskräfte auf Intuition und Erfahrung – ein notwendiger, aber unzureichender Rückgriff angesichts der zunehmenden Komplexität moderner Fertigung, geprägt von volatilen Lieferketten und rasanten technologischen Veränderungen. Die praktischen Auswirkungen dieses Vertrauensverlustes sind erheblich und betreffen sowohl Umsatzwachstum als auch operative Resilienz:
Björn Gerster, European Lead Center of Excellence, Manufacturing bei Dun & Bradstreet, erklärt, dass die Datenvertrauenskrise ein lösbares Problem ist, das auf drei grundlegende Ursachen zurückzuführen ist:
Auch wenn das Problem des mangelnden Datenvertrauens in allen Märkten präsent ist, zeigt sich seine Ausprägung je nach regionalen Besonderheiten deutlich unterschiedlich:
Die Folgen dieses grundlegenden Vertrauensdefizits wirken sich unmittelbar auf die Zukunft des Fertigungssektors aus. Digitale Transformation und KI versprechen Effizienz und Agilität – jedoch nur, wenn das zugrunde liegende Datenfundament stabil ist.
Leider bremsen bestehende Datenmängel den Fortschritt bereits aus. Ganze 44 % der Hersteller haben erlebt, dass KI-Projekte aufgrund schlechter Datenqualität scheitern.
Doch die Investitionen in dieses essenzielle Fundament bleiben aus. Nur 50 % der Unternehmen verbessern ihre Daten mithilfe von Insights externer Datenanbieter, und lediglich 33 % investieren in einheitliche bzw. cloudbasierte Datenplattformen, die Integrationen und leistungsstarke Analysen ermöglichen.
Während 56 % der Firmen bereits eine 360-Grad-Sicht auf Geschäftspartner implementiert haben, haben gleichzeitig 46 % weiterhin Schwierigkeiten, diese grundlegenden Informationen im gesamten Unternehmen zu teilen und darauf zuzugreifen.
Der Schlüssel dazu ist eine robust Master‑Data‑Management‑(MDM)‑Strategie, die darauf abzielt, eine 360‑Grad‑Sicht auf alle Geschäftspartner zu schaffen.
Um die Datenvertrauenskrise wirklich zu lösen, müssen Hersteller sich von fragmentierten Altsystemen lösen und hin zu einheitlichen, skalierbaren Datenarchitekturen wechseln.
MDM umfasst die Konsolidierung von Geschäftspartnerdaten in einem zentralen Data Warehouse, indem interne ERP‑ und CRM‑Daten mit externen Referenzdaten integriert werden. Dieser Prozess wird häufig durch einen universellen Identifikator unterstützt – etwa die Dun & Bradstreet D‑U‑N‑S®‑Nummer –, die als eindeutige Unternehmens‑ID dient und verstreute Daten über Systeme und Abteilungen hinweg vereinheitlicht.
Eine einheitliche Sicht, die bereits von 56 % der Unternehmen erfolgreich umgesetzt wurde, bildet die Grundlage für:
Durch die Implementierung von MDM und die Schaffung einer „Single Source of Truth“ können Hersteller den Schritt von isolierten, manuellen Datenprozessen hin zu fundierter, datenbasierter Entscheidungsfindung machen.
Um die Vertrauenslücke in Daten zu schließen, müssen Hersteller fragmentierte Altsysteme hinter sich lassen und zu einheitlichen, skalierbaren Datenarchitekturen übergehen. Diese Transformation führt Unternehmen von einem reaktiven zu einem proaktiven und prädiktiven Arbeitsmodus.
Praktische Schritte zur Umsetzung umfassen:
Die Fertigungsindustrie befindet sich im Wandel – und Daten sind entscheidend dafür, wer langfristig wächst und wer zurückfällt. Für Hersteller ist der erste und wichtigste Schritt, das Fundament des Vertrauens in die eigenen Daten zu schaffen.
Master Data Management (MDM) ist der Prozess der Erstellung und Pflege einer einzigen, vertrauenswürdigen Quelle zentraler Geschäftsdaten innerhalb einer Organisation.
Es stellt sicher, dass Daten zu Kunden, Lieferanten, Produkten und Standorten korrekt, konsistent und systemübergreifend verfügbar sind.
In Fertigungsumgebungen, in denen Daten über ERP-, CRM-, Supply-Chain- und Finanzsysteme verteilt sind, reduziert MDM Duplikate, Inkonsistenzen und Fehler. Dies ermöglicht bessere Entscheidungen und verlässlichere Analysen.
Eine 360-Grad-Datensicht ist eine einheitliche Gesamtsicht auf alle Informationen zu einer bestimmten Entität, beispielsweise einem Kunden oder Lieferanten – über sämtliche Systeme und Berührungspunkte hinweg.
Anstatt fragmentierter Datensätze in separaten Plattformen konsolidiert eine 360-Grad Sicht operative, finanzielle und leistungsbezogene Informationen zu einem einzigen, verlässlichen Datensatz.
Dadurch können Teams im gesamten Unternehmen mit den gleichen Informationen arbeiten und Entscheidungen mit höherer Sicherheit treffen.
In der Fertigung unterstützt eine 360-Grad-Lieferantensicht ein stärkeres Qualitätsmanagement, bessere Risikoanalysen und eine effizientere Lieferantenleistungsüberwachung.
Viele KI-Projekte in der Fertigung scheitern, weil die zugrunde liegenden Daten unvollständig, inkonsistent oder fragmentiert sind.
KI-Systeme sind auf hochwertige, gut verwaltete Daten angewiesen. Wenn Daten über Systeme verteilt, ohne klare Zuständigkeiten oder fehlerhaft sind, liefern Modelle unzuverlässige Ergebnisse.
Dies führt zu stockenden Projekten, unerfüllten Erwartungen und verschwendeten Investitionen.
Der Aufbau einer starken Datenbasis durch Governance, Integration und MDM erhöht die Wahrscheinlichkeit signifikant, dass KI-Initiativen tatsächlichen Mehrwert schaffen.
Datenarchitektur definiert, wie Daten in Fertigungsprozessen gesammelt, integriert, gespeichert und bereitgestellt werden.
Eine starke Datenarchitektur löst Silos zwischen Produktion, Qualität, Lieferkette und Finanzsystemen auf. Sie ermöglicht einheitliche Datenstandards, Echtzeitzugriff und Skalierbarkeit bei wachsender Komplexität.
Eine schwache Architektur hingegen verlangsamt Entscheidungsprozesse und erhöht Betriebsrisiken.
MDM ist auf eine solide Datenarchitektur angewiesen – ohne sie können Initiativen zur Datenqualität kaum skalieren oder nachhaltig wirken.
MDM verbessert die operative Leistung, indem Entscheidungen auf präzisen, konsistenten und aktuellen Daten basieren.
Mit sauberen Stammdaten können Hersteller Prozesse automatisieren, Forecasting verbessern, manuelle Nacharbeit reduzieren und schneller auf operative Herausforderungen reagieren.
Teams verbringen weniger Zeit mit der Bereinigung widersprüchlicher Informationen und mehr Zeit damit, Erkenntnisse produktiv umzusetzen.
Damit bildet MDM die Grundlage für digitale Transformation, Risikomanagement sowie den erfolgreichen Einsatz fortschrittlicher Analysen und KI.