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Whistleblower des Wirecard-Skandals spricht live bei den Knowledge Power Days Compliance von Dun & Bradstreet

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Die Wirecard AG hat am 25. Juni 2020 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht in München gestellt. Das ist mehr als ein Jahr her. Seitdem haben sich die Ereignisse im Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters überschlagen. Ehemalige Manager von Wirecard sollen die Bilanz von Wirecard mit Scheingeschäften über Jahre hinweg manipuliert haben. So entstand ein Schaden in Milliardenhöhe.

Einer, der mit dazu beigetragen hat, den Wirecard-Skandal aufzudecken, ist der Jurist Pav Gill. Er arbeitete rund ein Jahr in der Rechtsabteilung von Wirecard in Singapur. 2018 verließ er das Unternehmen, weil seine internen Ermittlungen zu Bilanzmanipulationen und Scheingeschäften blockiert wurden. Daraufhin hatte Gill die Financial Times sowie andere Medien über Unregelmäßigkeiten informiert. Im Interview mit Dun & Bradstreet spricht er darüber, wie er die Aufdeckung der Bilanzmanipulation miterlebt hat und welche Rolle ihm zukam.

Herr Gill, was war für Sie persönlich die größte Herausforderung bei der Aufdeckung des Wirecard-Skandals?

Das lange Warten und die Frage, ob das Unternehmen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Wie haben Sie die Unregelmäßigkeiten bei Wirecard aufgedeckt?

Als Senior Legal Counseler war ich für den Raum Asia Pacific zuständig und habe die Rechtskonformität des dortigen Geschäfts durchleuchtet. Ich hatte früh den Verdacht, dass gewisse Dinge bei Wirecard nicht gesetzeskonform ablaufen. Außerdem kamen Mitarbeiter im Vertrauen mit belastenden Materialien zu mir. Was sie mir zur Verfügung stellten, bildete die Grundlage für die weiteren Ermittlungen im Bilanzskandal.

 

Wie sind Sie vorgegangen, nachdem klar wurde, dass etwas nicht stimmt?

Ich habe mich sofort an meine Vorgesetzten in der Rechtsabteilung in München gewandt und sie informiert. Es folgten Einschüchterungsversuche und damit verbundenen Strategien seitens leitender Wirecard-Mitarbeiter.

 

Wie hat sich Ihr Leben seit der Aufdeckung des Wirecard-Skandals verändert?

Ich bin froh, dass das betrügerische und kriminelle Verhalten ans Licht der Öffentlichkeit gekommen ist. Leider sind mehrere Hauptverdächtige entweder auf der Flucht oder ihnen steht ein langwieriger Prozess bevor. Es bleibt abzuwarten, ob die externen Wirtschaftsprüfer von EY, die die Abschlüsse und Konten von Wirecard fast ein Jahrzehnt lang bestätigt haben, zur Verantwortung gezogen werden.

 

Warum haben Sie sich entschlossen, Ihre Anonymität aufzugeben? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Jetzt, wo die Missstände aufgedeckt sind, hatte ich das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt ist, mich zu erkennen zu geben. Die Botschaft ist klar: Solange man nichts Falsches getan hat und seinen eigenen Prinzipien treu geblieben ist, sollte man seinen Kopf hochhalten und nicht mehr in Angst oder in der Anonymität leben. In Angst leben sollten diejenigen, die kriminelle Handlungen begangen haben oder weiterhin begehen.

 

Bei den Knowledge Power Days Compliance am 23. November 2021 spricht Pav Gill online live über den Wirecard-Skandal.

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