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Wie Sie mit ESG Risiken erkennen und nachhaltig wachsen

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ESG steht für Environmental Social Governance. Zu deutsch Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Ausbau von Geschäftsbeziehungen mit ethisch agierenden und ökologisch nachhaltigen Unternehmen gehört heute zu den wichtigsten Wachstumstreibern. ESG Intelligence von Dun & Bradstreet macht die Auswahl ethischer und belastbarer Dritter einfacher denn je. Auf Basis der Rankings erhalten Unternehmen Einblick in die Nachhaltigkeits-Performance ihrer Geschäftspartner.

Im Interview erklärt Christian Kellner, Leader GTM Finance & Risk bei Dun & Bradstreet Central Europe, warum es wichtig ist, ESG in den Fokus zu rücken.

Was ist für Sie ein ethisches Unternehmen?

Christian Kellner: Das ist eine Firma, die sich möglichen Bedrohungen im eigenen Unternehmen, in der Lieferkette und idealerweise auch bei anderen Geschäftspartnern (Kunden, Handelsvertretern) bewusst ist und diese potenziellen Bedrohungen mit einem risikobasierten Ansatz adressiert. Die Grenzen zwischen dem, was ethisch ist, und dem, was es nicht ist, hängen stark vom Blickwinkel des Betrachters ab.

Nehmen wir das Beispiel Lieferkettengesetz in Deutschland: Das Gesetz konzentriert sich wie der Name sagt auf die Lieferkette. Es verpflichtet deutsche Unternehmen ab 2023, Menschenrechte und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette einzuhalten.

Doch ethische Fragestellungen können auch in anderen Bereichen auftauchen. Zum Beispiel schützt das Lieferkettengesetz eine in Deutschland beschäftigte Person nicht vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, da es bereits andere Gesetze und Vorschriften gibt, die diese Fragen abdecken. Ethisches Verhalten wird sich nicht nur durch die Befolgung eines Gesetzes entwickeln. Wenn sich ein Unternehmen noch nie mit seiner ESG Performance befasst hat, wird die Konzentration auf die Lieferkette ein Unternehmen nicht plötzlich in ein ethisches Unternehmen verwandeln.

 

Wie wirkt sich ESG Ihrer Meinung nach auf die Lieferkette aus?

Christian Kellner: Deutschland ist mit rund 1,1 Billionen Euro Volumen drittgrößter Importeur der Welt, hinter China und den Vereinigten Staaten. Wenn deutsche Unternehmen ihr Einkaufsverhalten aufgrund neuer regulatorischer Rahmenbedingungen anpassen müssen, wird sich das kurz- bis mittelfristig auch auf andere Länder auswirken.

Deutschland ist ein wichtiger Markt für Obst und Gemüse aus Spanien. Mit dem Lieferkettengesetz werden deutsche Unternehmen verstärkt auf Arbeitsbedingungen, oder beispielsweise das Wassermanagement in ihrer Lieferkette im spanischen Agrarsektor achten müssen.

Deutschland ist nicht das erste und wird auch sicher nicht das letzte Land sein, das einen Rechtsrahmen mit Fokus auf ESG einführt. Auch die EU-Kommission hat bereits einen entsprechenden Vorschlag zu nachhaltiger Due Diligence vorgestellt.

 

Wann werden diese Standards größere Auswirkungen auf die Branche haben?

Christian Kellner: Immer mehr Verbraucher fordern bessere Produktionsbedingungen. Weniger Umweltverschmutzungen sowie das Einhalten von Menschenrechten sind hier die zentralen Themen. Die Frage, wann dieser gesellschaftliche Wandel bei den Unternehmen ankommt, war nicht eine Frage des Ob, sondern eine Frage des Wann und Wie. Natürlich betrifft dies zuerst die Branchen mit B2C-Schwerpunkt. Unternehmen haben jedoch inzwischen verstanden, dass sie ihr Verhalten anpassen müssen – auch wenn wir entsprechende Tendenzen im Hinblick auf Greenwashing erkennen können. 

Somit haben Verhaltensänderungen bereits vor der Einführung des Lieferkettengesetzes begonnen. Ähnliche Initiativen werden in Zukunft nur noch beschleunigt. Ihr Einfluss wird jedenfalls im Laufe der Zeit wachsen. Immer mehr Unternehmen werden verpflichtet werden, ihre Prozesse an die neuen Standards anzupassen.

 

Stichwort Lieferkettengesetz. Worauf müssen Unternehmen ein besonderes Augenmerk legen?

Christian Kellner: Aus meiner Sicht ist das der risikobasierte Ansatz. Dieser ermöglicht es Unternehmen, Risiken in ihren globalen, vielschichtigen und komplexen Lieferketten strukturiert und effizient anzugehen, ohne neue Tools integrieren zu müssen. Der risikobasierte Ansatz hilft, die individuellen Bemühungen zu messen, zu evaluieren und gegebenenfalls anzupassen.

 

Hat ein Fokus auf ESG auch Einfluss auf den Unternehmenserfolg?

Christian Kellner: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen, die ESG-Kriterien einhalten, insgesamt besser geführt werden und daher in der Regel profitabler sind. Dies sehen wir sowohl bei privaten als auch börsennotierten Unternehmen gleichermaßen.

Umfassende ESG-Datenabdeckung

D&B ESG Intelligence bietet eine umfassende Abdeckung einschließlich Geschäftsdaten in Verbindung mit öffentlichen ESG-bezogenen Informationen, die über 30 Millionen private und öffentliche Unternehmen weltweit abdecken – Tendenz stark steigend.

Die ESG-Rankings von Dun & Bradstreet decken mehr als 13 ESG-Themen und mehr als 31 themenspezifische Kategorien ab, damit Sie spezifische Risiken und Chancen besser verstehen können. Diese Rankings basieren auf Daten, die aus Millionen von vertrauenswürdigen Quellen auf der ganzen Welt stammen und durch Dun & Bradstreet® D-U-N-S® Nummern und Live Business Identity auf ihre Genauigkeit überprüft wurden.

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